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Salzburger Fenster, Nr. 23-2009


Städtepartnerschaften: Tore zu anderen Welten

25 Jahre Städtepartnerschaft von Salzburg mit Singida und Leon


Mit Salzburger Hilfe wurden in Singida (Tansania) und Leon (Nicaragua) zahlreiche Projekte verwirklicht. Es kommt auch viel zurück. Die Städtepartnerschaften schaffen Begegnungen und bringen den Salzburgern andere Welten näher. Eine Erfolgsgeschichte.


Von Heinrich Breidenbach


„Mein Leben hat durch die Arbeit in der Städtepartnerschaft mehr Qualität und mehr Sinn bekommen.“ Der pensionierte Lehrer Paul Pirker ist seit 25 Jahren in der Städtepartnerschaft Salzburg-Leon aktiv. Leon ist eine Stadt im mittelamerikanischen Nicaragua. Rund 30 Salzburgerinnen und Salzburger sind in der Partnerschaftsgruppe aktiv. Tausende ehrenamtliche Stunden wurden von ihnen bislang investiert. „Aber das kommt zurück“, ist Paul Pirker überzeugt. „Das Reisen ist spannender geworden. Ich habe eine neue Sprache gelernt. Man taucht intensiv in eine andere Kultur ein und es sind schöne Kontakte und Freundschaften entstanden.“
Ähnliche Erfahrungen machen die Aktivisten der Partnerschaftsgruppe mit Singida im afrikanischen Tansania. „Für mich war es eine wertvolle Erfahrung zu erleben, wie die Menschen dort mit ihren für uns schwer vorstellbaren Problemen leben, wie wichtig zum Beispiel das bei uns selbstverständliche saubere Wasser ist. Der Wert einer guten medizinischen Versorgung oder von Bildung wird einem wieder bewusst. Die Begegnungen sind eine große wechselseitige Bereicherung.“ Das sagt Judith Schröcksnadel, die das Engagement und das Interesse für Afrika von ihrem Großvater, dem bekannten Salzburger Maler Wilhelm Kaufmann, und von ihrer Mutter „geerbt“ hat. Beide waren von Anfang an Motoren der Städtepartnerschaft mit Singida.
Am 24. Juni 1984 beschloss der Salzburger Gemeinderat, Städtepartnerschaften mit Leon und Singida einzugehen. Im Unterschied zu den anderen Städtepartnerschaften werden diese von aktiven Gruppen aus der Bevölkerung mitgetragen und sind mit konkreten Projekten verknüpft. Sie sind eine Erfolgsgeschichte geworden.


Eine beeindruckende Bilanz
In Singida wurde unter Federführung der Salzburger Gruppe unter anderem die Sanierung des Trinkwassernetzes realisiert. Allein für dieses Projekt konnten rund eine Million Euro von verschiedenen Geldgebern aufgetrieben werden. Die Wasserversorgung für die Landwirtschaft wurde und wird mit Dämmen und Regenwasserspeichern verbessert. Ein Heim für Waisen und Straßenkinder wurde gebaut. Mit Unterstützung des Salzburger Bankhaus Spängler kann noch heuer ein großes Ausbildungszentrum für Jugendliche in Betrieb gehen.
Um Wasser ging es auch beim ersten großen Projekt für die Stadt Leon. Die Wasserqualität eines verschmutzten Flusses konnte durch den Bau einer Kanalisation für einen ganzen Stadtteil entscheidend verbessert werden. Ein Kindergarten und eine Schule wurden mit Salzburger Hilfe gebaut. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Schaffung von Arbeitsplätzen im Tourismus. Paul Pirker: „Leon ist touristisch ein ungeschliffener Diamant. Die Stadt selbst ist sehr schön, an der nahen Pazifik-Küste gibt es Sandstrände, Lagunen und Mangrovenwälder. Es gibt Vulkane in der Umgebung. Das hat Potential.“ Von Salzburg aus werden nun fünf Schritte angegangen. Die Aus- und Weiterbildung für Touristiker aus Leon wird in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule in Urstein gefördert. Vier junge Leute aus Leon waren schon hier. Das Tourismusbüro in Leon wird unterstützt. Ein zeitgeschichtliches Museum soll errichtet werden. Das Angebot der Sprachschulen in Leon wird derzeit für ein Projekt „Spanisch Lernen in Leon“ geprüft. Die vorhandene Infrastruktur für Reitausflüge in die Umgebung wird erhoben und zu einem attraktiven Angebot weiter entwickelt.


Gemeinsam mit den Partnern vor Ort
Dass die Hilfe aus Salzburg in Leon und Singida wirklich ankommt und dort auch Sinn macht, ist den Salzburger Gruppen ein zentrales Anliegen. Judith Schröcksnadel: „Man kann nicht von Salzburg aus diktieren, was in Singida gebraucht wird. Projekte können nur mit verlässlichen Partnern und in enger Zusammenarbeit mit den Menschen realisiert werden. Wir haben etwa in Singida einen bewährten Profi vor Ort, der bei der Auswahl der Projekte hilft und diese begleitet.“ Paul Pirker: „Wir wollen nicht von außen irgendetwas hinpflanzen. Wir setzen auf Solidarität und Partnerschaft. Wir knüpfen an den realen Gegebenheiten an und wollen, dass die Menschen auch wirklich konkret profitieren.“ So sollen etwa Bewohner der schönen Altstadt von Leon Hilfe bekommen, um Zimmer für ausländische Besucher der Sprachschulen einrichten zu können. Oder es sollen für das Reitwegeprojekt die Pferde von den Bauern gestellt werden. Hilfe für Bauern wird es für die Errichtung von touristischen Stützpunkten geben. Heimische Führer werden ausgebildet, usw.


Spendengelder kommen an
In 25 Jahren Partnerschaft haben sich Kontakte auf den verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen entwickelt. Künstler aus Singida waren bei der Sommerakademie in Salzburg zu Gast. Feuerwehrleute aus Salzburg besuchten ihre Berufskollegen in Leon. Politiker und Bürgermeister der Städte trafen einander. In Leon gibt es eine Gruppe der „Freunde von Salzburg“. Die Universitäten hatten Kontakte miteinander. So wurde etwa vom hiesigen Institut für Geographie ein moderner Stadtplan von Leon hergestellt. Eine Schule in Leon nennt sich „Die Geschwister von Salzburg“. Die Volksschule Liefering II und die Salzburger Anna-Bertha-Königsegg Schule für schwerstbehinderte Kinder sind Partner von Schulen in Leon. Unternehmen sind als Sponsoren tätig. Zahlreiche Salzburgerinnen und Salzburger unterstützen mit Spenden und Daueraufträgen die Tätigkeiten der Partnerschafts-Gruppen.
Die Basisfinanzierung für die Büros der Städtepartnerschaften kommt von der Stadt Salzburg. Nachdem auch das Land Salzburg eine Partnerschaft mit der Region Singida eingegangen ist, kommt dafür noch eine Finanzierung vom Land dazu. Judith Schröcksnadel: „Alle Spender und Sponsoren können also sicher sein, dass ihre Gelder nur für konkrete Projekte verwendet werden. Kein Cent davon muss für die Verwaltung ausgegeben werden.“


Heinrich Breidenbach


Information:
Büro der Städtepartnerschaften: 0662-827813-3 (Singida), 0662-827813-4 (Leon)
www.tanzania.at ; singida[at]tanzania.at
www.sbg.ac.at/leon/ ; leon[at]subnet.at




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