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Salzburger Fenster, 17-2002


Bio-Heu: Eine Chance für das Seenland?

Garantiert silofreie Milch bringt mehr Geld


180 Bio-Bauern aus dem Trumer Seenland, Mattigtal und Mondseeland vermarkten garantiert silofreies Heu und setzen Initiativen für Tourismus und Landschaft.


Es riecht wunderbar auf den Wiesen des Paulseppl-Bauern in Seeham. Dafür sorgen die kräftige Sonne, das frisch gemähte Heu mit den vielen Blumen und würzigen Wiesenkräutern. Der Blick auf den See und die sanfte hügelige Landschaft ist traumhaft schön. Viel Bauernarbeit steckt in dieser Idylle.
Damit das so bleiben kann, sind Ideen, moderne Technik, Hirnschmalz und Engagement notwendig. Das bringen die 180 Biobauern aus 22 Gemeinden ein, die sich in der „Bio-Heu-Region Trumer Seenland, Mattigtal, Mondseeland“ zusammengeschlossen haben.
Kerngedanke der Initiative ist die Erhaltung der bestehenden landwirtschaftlichen Strukturen in einer für Tourismus und Freizeit attraktiven Landschaft. Die Bauern bieten garantiert silofreie hochwertige Milch und Fleischprodukte an. Voraussetzung dafür ist das Festhalten an der Heu-Einbringung. Diese wird derzeit europaweit rasant von der Silowirtschaft abgelöst, die uns in Form der immer zahlreicher auf den Feldern liegenden Plastikballen begegnet.


Der Ferrari unter den Milchsorten
Jährlich 15 Millionen Liter garantiert silofreie Milch sind daher das Hauptprodukt der Bio-Heu-Region. Geliefert wird an sechs Molkereien, Eigenvermarktung kommt dazu. Andreas Hofer, Joglbauer aus Obertrum und „Milchsprecher“ der Bauern kann in Zeiten dramatisch sinkender Milchpreise noch vergleichsweise zufrieden sein. „Mit 42,5 Cent für den Liter haben wir den besten Milchpreis im Land. Die Tendenz ist aber schlimm. Bayerische Molkereien sind schon auf 32 Cent herunten und die Nordmilch in Deutschland liegt schon bei 28 Cent.“
Der Preisunterschied hat seinen Grund. „Bio-Heu-Milch ist der Ferrari unter den Milchsorten, notwendig etwa für die Produktion von hochwertigem Käse und Babynahrung“, lobt Hofrat Wolfgang Ginzinger, Leiter der Bundesanstalt für alpenländische Milchwirtschaft in Rotholz/Tirol, das Projekt.


Von Apfelsaft bis Ziegenkäse
Den Bauern geht es aber nicht nur um Milch. „Das Heu ist unser Markenzeichen, aber unsere Produktpalette reicht von A wie Apfelsaft bis Z wie Ziegenkäse.“ So Obmann Franz Keil, Woferlbauer aus Seeham. „Vernetztes Denken“ wird in der Bio-Heu-Region groß geschrieben. „Umweltschutz, Naherholung, Energie, Landschaftspflege, Wasserschutz, Tourismus, Gastronomie, gesunde Lebensmittel, Nahversorgung und Landwirtschaft hängen zusammen“, weiß Karl Neuhofer aus Seekirchen. Eindrucksvoll vielfältig sind daher auch die bäuerlichen Bio-Initiativen in der Region. Direktvermarkter, Märkte, Läden, Metzgerei, Bäckereien, Imkerei, Mühle, Obstpressereien, Feste, Hackschnitzel-Heizungen, usw.
Tourismussprecher Hans Greisberger aus Seeham kann auf 38 Anbieter von Urlaub am Bauernhof verweisen und freut sich, dass die Gastronomie langsam „in die Bio-Richtung“ geht. Das Freizeit-Angebot wird ständig erweitert. Ein solches Öko-Kulturprojekt mit mehreren Attraktionen ist etwas der „Teufelsgraben“ mit Schaumühle in Seeham.


Wendepunkt für die Landwirtschaft
Die nächsten Schritte im Seenland gehören der modernen Kommunikation und Vermarktung. Eine Power-Point (Obmann Franz Keil: „Bauern-Point“) Präsentation wird ebenso erarbeitet wie ein Internet-Auftritt mit dem die vielfältigen Initiativen ständig aktuell abrufbar sein werden.
Die Bio-Bauern sehen die heimische Landwirtschaft insgesamt an einem „Wendepunkt“. Franz Keil: „Entweder es gelingt jetzt Produkte und Märkte für unsere kleinen Strukturen zu entwickeln, oder der Zug geht in Richtung industrielle Landwirtschaft. Das wird man dann nicht mehr zurückholen können.“


Heinrich Breidenbach


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