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Salzburger Fenster, 17. Mai 2000, Ausgabe 13/00


Solarkocher gegen Brennholzkrise



Techniker aus Neuötting entwickelte Modell


2 Milliarden Menschen auf der Welt müssen mühsam Brennholz zum Kochen sammeln. Aber wo das Brennholz knapp wird, scheint viel Sonne. Solarkocher können helfen.


Der Rhabarberkuchen schmeckte wunderbar. Locker leicht, gut durch, nicht zusammengefallen und nirgendwo angebrannt. Gebacken in einem Garten im bayerischen Neuötting mit einem Solarkocher von der wahrscheinlich routiniertesten Solarköchin Deutschlands. Seit 15 Jahren wendet Imma Seifert praktisch an, was ihr Mann Dieter mit Ingenieur-Leidenschaft entwickelt. Bei Frau Seifert gelingen sogar Kuchen. Das ist die Meisterklasse des solaren Kochens. Wasser zum Kochen bringen ist das Leichteste, es folgen Suppen, Eintöpfe, Frittieren, Braten und erst dann das Backen.


Mühsame Suche nach Brennholz
Für zwei Milliarden Menschen, die nicht an zentrale Energieversorgungssysteme angebunden sind, ist Brennholz oft die einzige Energiequelle zum Kochen. Für Gas oder Kerosin sind viele zu arm. Nicht überall wächst das Holz auch in einem natürlichem Kreislauf wieder nach. Brennholzkrisen entstehen dort, wo mehr Holz entnommen wird, als nachwächst. Es gibt Regionen, etwa Tibet, mit bereits absolutem Mangel an Brennholz. Für Millionen Menschen wird das Suchen nach Brennholz immer zeitaufwendiger und mühsamer. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder.
Ein Ausweg bietet sich an. Dort, wo die Brennholzkrise besonders groß ist, scheint die Sonne auch besonders verlässlich. Die Kraft der Sonne kann so gebündelt werden, dass sie gut zum Kochen genutzt werden kann. Solarkocher können eine Hilfe sein.


Den Ingenieur ärgerte "Glumpert"
Es gibt viel "Glumpert" unter den 168 bekannten Solarkocher-Modellen. Unpraktische, gefährliche, teure Dinger mit minimaler Leistung. Die Akzeptanz der Geräte war und ist oft auch entsprechend gering. Mehrere gut gemeinte Solarkocher-Programme in den betroffenen Ländern wurden ein Schlag ins Wasser. Die Geräte wurden nicht genutzt.
Den Verfahrenstechniker Dieter Seifert ärgerte das. "Da gibt es Modelle, die bringen an einem Tag gerade einmal einen Liter Wasser zum Kochen. Das kann man den Menschen doch nicht zumuten."
Dieter Seifert wollte diesen Schwächen zu Leibe rücken und entwickelte selbst einen Solarkocher, den SK14. Das Modell schnitt bei einem großangelegten Solarkocher-Vergleichstest der "Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit" (GTZ) sehr gut ab und wurde nach Praxistests laufend weiter verbessert. Als Maß für seine Leistungsfähigkeit gelten 48 Liter Wasser, die er pro Tag nur mit gebündelten Sonnenstrahlen zum Kochen bringen kann.


Einfach, billig leistungsfähig
Aber Leistungsfähigkeit allein genügt nicht. Ein Solarkocher muss mit einfacher Technik herzustellen und billig sein. Zum Warmhalten der Speisen ist die früher auch bei uns häufig gebräuchliche Warmhalte- oder Kochkiste nützlich.
Dieter Seiferts Solarkocher kostet rund 800,- Schilling. Er besteht aus Spiegelblech, Bandstahl und Schrauben. Für die Produktion sind nur einfache Werkzeuge notwendig. Die Werkstatt muss Metalle biegen, stanzen und schneiden können. Mit rund 70.000,- Schilling kann eine solche Werkstatt und damit zwei Arbeitsplätze geschaffen werden.
Der SK14 ist mittlerweile tausendfach auf der Welt im Einsatz, etwa in Indien, in Tansania, in Südafrika oder in Namibia. Das Patent stellt Seifert gratis zur Verfügung. Private und kirchliche Initiativen fördern die Verbreitung und hel-fen mit Technik und Finanzierungen.


Freilassinger Berufsschule hilft
Eine solche Initiative ist die des Freilassinger Lehrers Siegfried Popp. Mit Spenden und Arbeitsleistungen von Schülern und Lehrern der Freilassinger Berufsschule für Metallberufe wurden in Tansania schon vier Werkstätten eingerichtet, eine spezielle Biegevorrichtung für den SK14-Bau wurde entwickelt, die Ausbildung von afrikanischen Schülern wird finanziert, ebenso das Material für 400 Solarkocher. Dieter Seifert ist trotz aller Erfolge ungeduldig. "Was sind schon 10.000 Solarkocher. Es müssen viel mehr werden. Auch die staatlichen Entwicklungsdienste müssen stärker einsteigen, die warten, zögern, vergleichen und studieren zu lange. Wir können mit Solarkochern extrem günstig CO2 einsparen und das Leben in den armen ländlichen Regionen der Dritten Welt erleichtern. Mit der Einführung des Autos wurde ja auch nicht bis zum elektrischen Fensterheber und dem letzten Windkanaltest gewartet."


Heinrich Breidenbach


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