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Salzburger Fenster, 6. Dezember 2000, Ausgabe 30/00


Drei Wochen in mittleren Höhen


Bergurlaub fördert Gesundheit


Höhenmediziner forschen zu den gesundheitlichen Effekten von Bergurlauben.


Auch im alpinen Urlaubsland Österreich ist die wissenschaftliche Forschung zum Thema Urlaub und Gesundheit ein junge Disziplin. "Die wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Urlaub und Gesundheit sind praktisch Null, nicht nur in Österreich sondern auch weltweit", sagt Univ.Prof Egon Humpeler. Der Vorarlberger Mediziner ist Leiter einer Forschergruppe, die seit 1998 die gesundheitlichen Effekte von Aufenthalten in mittleren Höhen untersucht.
Nach einer Pilotstudie 1998 in Lech am Arlberg wurden im vergangenen Herbst drei Kontrollgruppen von ausgewählten Urlaubern in drei verschiedenen Höhen, Obertauern (1.700 Meter) Mauterndorf (1100) und Bad Tatzmannsdorf (Burgenland) beobachtet. Unter anderem mit der Auswertung von zehntausend Blutproben und hunderttausenden Einzeldaten wollen die Wissenschaftler den gesundheitlichen Auswirkungen von Urlaub und Bergurlaub auf den Grund gehen.
Die Ergebnisse der Vergleichsstudie werden bis zum Frühjahr nächsten Jahres vorliegen und bei großen Mediziner- und Tourismuskongressen präsentiert werden.


Gewichtsverlust durch milden Sauerstoffmangel
Wesentliche Aussagen können die Wissenschaftler allerdings schon machen. Egon Humpeler: "Der Aufenthalt in mittleren Höhen von 1000 bis 2000 Meter hat einen besonderen gesundheitlichen Nutzen. Der Körper wird schon angeregt, sich auf den milden Sauerstoffmangel einzustellen, ohne diese Umstellung auch wirklich voll ausschöpfen zu müssen. Er lukriert so einen besonderen Überschuss an Wohltaten. Das wäre in größeren Höhen nicht so der Fall." Dieser Überschuss drückt sich unter anderem in deutlichen Gewichtsverlusten und einer messbaren Verbesserung der Qualität des Blutes aus.
Sicher sind sich die Wissenschaftler auch schon in der Aussage, dass der besondere Erholungseffekt eines Bergurlaubs nach einer längeren Aufenthaltsdauer eintritt. Der wissenschaftliche Leiter der Forschergruppe Univ. Dozent Wolfgang Schobersberger dazu: "Man soll sich die Zeit nehmen. Das ist eine zentrale Aussage. Die positiven Effekte sind nach drei Wochen messbar."
Zum alten wissenschaftlichen Eisen wollen die Höhenmediziner auch bisherige allgemeine Warnungen vor Höhenaufenthalten für bestimmte Risikogruppen werfen. Humpeler: "Die generelle Aussage, dass Menschen mit Bluthochdruck nicht in die Höhe dürfen, ist falsch."


Keine "Auftragsarbeit"
Die Höhenstudie wurde vom Wirtschaftsministerium, der Österreich-Werbung und Bundesländerverbänden, auch der Salzburger-Land Tourismus Gesellschaft, finanziert. Die Wissenschaftler betonen, in ihrer Arbeit völlig unbeeinflusst zu sein. Professor Humpeler: "Wir sind froh um die Geldgeber, aber ist deshalb keine Auftragsarbeit, sondern eine völlig freie akademische Studie."
Die bisherigen Ergebnisse der Forschungsgruppe sind im "Jahrbuch 2000" der "Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin" publiziert.


Heinrich Breidenbach


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