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Salzburger Fenster, 17. Oktober 2001, Ausgabe 29/01


Alpenverein warnt: „Alpine Infrastruktur ist gefährdet“


Auch in Salzburg ist das alpine Wege- und Hüttennetz durch Kürzungen von Bund und Land bedroht. "So kann es nicht mehr lange weitergehen", sagen die ehrenamtlichen Funktionäre.


Wir rufen keinen blinden Alarm aus. Es ist wirklich so, wir können das bestehende Hütten- und Wegenetz in den Bergen auf Dauer nicht erhalten, wenn die Zuschüsse von Bund und Ländern weiterhin so gekürzt werden.“ Das sagt der Vorsitzende des Salzburger Alpenvereins Dieter Besl. „Wenn Sie an Ihrem Haus notwendige Erneuerungen und Instandhaltungen immer wieder verschieben, dann wird es später noch teurer, oder die Substanz geht verloren. Bei den Wegen und Hütten in den Bergen geht es noch schneller.“
Die alpinen Vereine beklagen österreichweit, dass die Bundesregierung ihnen gegenüber einen existenzgefährdenden Sparkurs fährt. Peter Grauss, Vorsitzender des Österreichischen Alpenvereins, spricht von einer „Verweigerung der öffentlichen Hand“ und nennt Zahlen. Demnach haben die alpinen Vereine Österreichs, das sind hauptsächlich Alpenverein, Naturfreunde und Touristenklub, im Jahr 2000 vom Staat insgesamt 30 Millionen Schilling als Zuschuss für die Erhaltung der Wege und Hütten bekommen. Für die Jahre 2001 und 2002 wurde der Betrag auf jeweils 25 Millionen gekürzt. Für die Jahre danach gibt es keine verbindlichen Zusagen mehr.
Das Land Salzburg hat die Zuschüsse an den hiesigen Alpenverein, er führt allein zehn Schutzhütten, von 700.000 Schilling im Jahr 2000 auf 440.000 im Jahr 2001 gekürzt.


25 Ehrenamtliche für 400 km Wanderwege
Ehrenamtlicher Wegewart des Salzburger Alpenvereins ist Raimund Gumpold. Er ist verantwortlich für 400 Kilometer Wanderwege im Land. Dafür steht ihm ein verlässlicher Grundstock von 25 ehrenamtlichen Helfern aus den 22 Sektionen des Alpenvereins in Salzburg zur Verfügung.
Die Tätigkeiten sind umfassend, zeitaufwendig und verantwortlich: Markierungen und Wegtafeln anbringen und erneuern, Begehungen im Frühling und nach Unwettern, Verhandlungen mit den Grundeigentümern, Beseitigung von umgestürzten Bäumen, Felsstürzen, Lawinenschäden oder Muren, genaue Kontrolle der Sicherungen, ständige Ausbesserungsarbeiten, Rechtsschritte zur Erhaltung von Wegerechten, Umweltmaßnahmen wie Verhinderungen von Vegetationsschäden durch Abschneider.
Die allermeisten Arbeiten werden ohne Bezahlung mit freiwilligen Helfern durchgeführt. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei einem jährlichen Bergsturz auf dem Weg zur Kürsingerhütte, müssen auch Firmen eingesetzt und bezahlt werden.
Wegewart Raimund Gumpold verweist auf gestiegene Sicherheitsansprüche an das Wegenetz, die sich auch schon in der Rechtssprechung niederschlagen und teure gesetzliche Vorschriften für die Schutzhütten: „Es gibt bereits einen Investitionsstau in Millionenhöhe. Wir können das mit den Mitgliedsbeiträgen unmöglich abdecken. Die öffentliche Hand muss sich ihrer Verantwortung bewusst werden.“


50.000 Kilometer Wanderwege
In Österreich gibt es 540 Schutzhütten und über 50.000 km Wanderwege. Die Erhaltung dieses Netzes kostet insgesamt rund 170 Millionen Schilling. Nicht einmal ein Fünftel davon kommt von der öffentlichen Hand. Rund drei Millionen Menschen besuchen im Jahr mindestens eine Schutzhütte. Die alpinen Vereine (Alpenverein, Naturfreunde, Touristenklub etc.) haben insgesamt 436.000 Mitglieder. Rund drei Viertel der ausländischen und inländischen Urlaubsgäste in Österreich geben als Hauptaktivitäten Wandern, Bergsteigen und Spazierengehen an. Quelle: Verband alpiner Vereine Österreichs.


Teures „Sparen“
Der Staat wäre überfordert, müsste er die Leistungen von Vereinen wie Alpenverein, Naturfreunden oder Bergrettung selbst erbringen. Die Bürgerinnen und Bürger konsumieren „selbstverständlich“ die Freizeitangebote, Erholung, Sicherheit und Lebensqualität. Für die österreichische Fremdenverkehrswirtschaft ist eine gute alpine Infrastruktur überlebensnotwendig. Es gibt keinen Hinweis, dass die Vereine mit den öffentlichen Geldern schlecht umgegangen wären. Was reitet also die Regierung, hier zu kürzen und die Vereine so zu verunsichern?
Das kommt teuer.


Heinrich Breidenbach


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