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Salzburger Fenster, 05. September 2001, Ausgabe 24/01


Schutzhütte stellt auf Bio um



Das Heinrich-Kiener-Haus am Hochgründeck stellt auf Bio-Küche um


Seit letztem Sonntag ist das Heinrich-Kiener-Haus am Hochgründeck die erste alpine Schutzhütte Österreichs mit kontrollierter Bio-Küche.


Für Hüttenwirt Hermann Hinterhölzl ist es nur ein logischer nächster Schritt. Der 45-Jährige ist ein Öko-Pionier. Schon 1979 betrieb er als junger Pächter des Matras-Hauses am Hochkönig eine Windkraftanlage. 1980 installierte er die ersten Solarzellen am Hochkönig.
In seinem eigenen Heinrich-Kiener-Haus am Hochgründeck geht er konsequent seinen Weg weiter. Vor der Schutzhütte blitzen Photovoltaik-Zellen und Solarkollektoren in der Höhensonne. Das Haus mit immerhin bis zu hundert Tagesgästen und 35 Schlafplätzen kocht und heizt nur mit Sonne und Holz. Fossile Energien bleiben draußen. Komposttoiletten liefern Humus, der auf Erosionsstellen in der Hüttenumgebung ausgebracht wird, Küchenabfälle werden ebenfalls kompostiert, die Abwässer biologisch gereinigt. Die Schutzhütte auf 1800 Metern ist ein anerkannter „Betrieb im Klimabündnis“.


„Ernte“-Vertragspartner
Und jetzt kommt der nächste Schritt zur ersten alpinen Bio-Schutzhütte. Seit letztem Sonntag ist das Heinrich-Kiener-Haus offizieller Vertragspartner des Bio-Bauernverbandes „Ernte für das Leben“. Was in der Nähe zu bekommen ist, bezieht Hinterhölzl von Ernte-Bauern aus der Umgebung. Der St. Johanner Bauernladen ist ein Partner. Bio-Bier kommt aus Schladming. Mit dem Bier hat es freilich seine eigene Geschichte, wie Salzburger aus dem Namen „Heinrich Kiener“ unschwer ableiten können. Bis 1980 gehörte das Schutzhaus der Salzburger Stiegl-Brauerei. Stiegl-Bier wird daher am Hochgründeck ebenfalls seinen festen Platz behaupten. Kaffee und Tee wird, ebenfalls in Bio-Qualität, zu fair gehandelten Preisen von der EZA bezogen.
Offizielle Partnerschaften von Gastronomiebetrieben mit dem Ernte-Verband sind strengen Regeln unterworfen. Die Bio-Verbände bestehen auf kontrollierter Qualität, die Partner müssen unangemeldete Prüfungen akzeptieren.


Hüttenwirt als Öko-Pionier
Warum stellt eine alpine Schutzhütte auf Bio-Produkte um? Für Hermann Hinterhölzl ist die Antwort sonnenklar: „Es geht um kurze Transportwege, gesicherte Qualität, weniger Energieverbrauch, gute Böden und gerechte Preise für die Bauern. Wir wollen die Lebensqualität für unsere Nachkommen erhalten.“
Im Winter verdient der Hüttenwirt dazu. Hermann Hinterhölzl hat gerade eine Ausbildung zum Energieberater absolviert und wird schon im nächsten Winter seinen praktischen Erfahrungsschatz auch an Gastronomiebetriebe weitergeben. Seine Tipps bringen bares Geld. Zum Beispiel das Warmhalten von Speisen mit Solarenergie, oder das konstante Halten von Plustemperaturen in einem ungenutzten Haus im kalten Bergwinter mit Hilfe von Luftsolarkollektoren.
Ganz leicht hat es ein Biowirt mit seinen Gästen nicht immer. Er hat schon seine Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit Frankfurter Würs-tel vom Biometzger. Sie hatten eine etwas ungewohnte Färbung. „Die Leute haben wegen der Farbe sogar geglaubt, die Würstel sind nicht in Ordnung. Da hätte ich vorher besser informieren müssen, auch das Personal. So lernt man immer etwas dazu.“


Heinrich Breidenbach


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