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Salzburger Fenster, Nr. 01-2006


Salzburger Ex-Vizebürgermeister als Hotelier in Costa Rica

Waldemar Steiner betreibt ein tropisches Luxus-Hotel


Waldemar Steiner, ehemaliger Notar und freiheitlicher Vizebürgermeister in der Stadt Salzburg hat seine Zelte hierzulande abgebrochen und startete mit über 70 Jahren eine dritte Karriere als 4-Sterne Hotelier.


Auf dem Hügel über dem Pazifischen Ozean schwirren bunte Kolibris durch die warme Luft. Von den Terrassen der Zimmer sind Tucans mit ihren großen gelben Schnäbeln zu beobachten. Affen klettern in den Bäumen herum. Die weitläufige zwölf Hektar große Parkanlage verzaubert mit exotischen Fächerpalmen und üppiger tropischer Pflanzenpracht.
Im Pool lässt sich jede Hitze gut aushalten. Die Zimmer sind klimatisiert, ein absolutes Muss für die Gäste aus den USA. Das Personal ist liebenswürdig und freundlich. Die Speisekarte des Restaurants gibt einen ersten Hinweis auf die österreichische Herkunft des Hoteliers. Neben landestypischen Gerichten gibt es hier auch Gulasch und Wiener Schnitzel.
Es lässt sich gut aushalten im Hotel Cristal Ballena im Süden des kleinen mittelamerikanischen Landes Costa Rica. Vier Sterne hat die im Frühling des Vorjahres eröffnete Anlage und amerikanische Reiseveranstalter zählen sie bereits zu den zehn schönsten Hotels von Costa Rica. Dabei hat der Betreiber eigentlich gar keine Erfahrung als Hotelier. "Ich muss und darf hier täglich etwas Neues dazu lernen", sagt Waldemar Steiner. Mit 72 Jahren steckt der ehemalige Notar und Bürgermeister-Stellvertreter der Stadt Salzburg gemeinsam mit seiner Frau Herta mitten in einer dritten Karriere als Hotelier.


"So leben wir intensiver"
Zwanzig Jahre war Waldemar Steiner als FPÖ-Mann in der Salzburger Stadtpolitik tätig, zuerst als Gemeinderat und zwischen 1972 und 1982 als Bürgermeister-Stellvertreter. Heute spricht er wenig über "die Zeit damals", lieber davon, "dass man sich immer weiterentwickeln muss und nicht der Alte bleiben darf". Was zählt ist die Zukunft. Und für diese haben Herta und Waldemar Steiner ein volles Risiko genommen, ihr Haus in Salzburg verkauft, sehr viel Geld investiert und sich enorm viel Arbeit und Verantwortung eingehandelt. Jeden Tag muss ein neues kleines oder größeres Problem gelöst werden. Dabei könnten sie in Salzburg ruhig und gemütlich einen gediegenen Wohlstand genießen. "Nein, das wäre nicht unsere Sache, so leben wir intensiver."
Die Leidenschaft für Costa Rica ist durch Zufall vor 14 Jahren entstanden. Am Anfang stand eine Tagung von Notaren in der Steiermark, wo ein Teilnehmer auf das kleine Land in Mittelamerika aufmerksam machte. Erste Reisen und "die Ansteckung mit dem Costa Rica Virus" folgten. Zusätzlich war da auch der Wunsch, noch einmal etwas ganz Eigenes und Selbstbestimmtes im Leben anzugehen. Was wäre ein realisierbarer Traum? Auf der Rückreise vom Seminar mit einem amerikanischen Motivationstrainer war das Ziel plötzlich deutlich vor Augen: Ein Seminarhotel in Costa Rica!


Ein fortgesetztes Abenteuer
Es folgte eine aufregende und ereignisreiche Zeit. Die Erzählungen über die Phase des Grundkaufs, der Eröffnung des Restaurants und des Hotelbaus sind abendfüllend und spannend wie ein Roman. Es geht darin um abenteuerliche Reiseerlebnisse, außergewöhnliche Menschen, indianische Medizinmänner oder einen lebensgefährlichen Überfall. Aber die Steiners ließen sich nicht entmutigen, das Hotel "Cristal Ballena" steht. Und die Gäste, vor allem aus den USA und Kanada, aber auch aus Deutschland, Österreich und Costa Rica selbst, kommen schon.
Das Umfeld ist günstig für die Investition. Der Tourismus in Costa Rica nimmt seit Jahren einen rasanten Aufschwung. Das kleine Land bietet eine enorme Vielfalt von Landschaften: Vulkane, hohe Berge, tropische Regenwälder, lange Strände, Inseln, Flüsse, Wasserfälle oder Mangrovenwälder. Entsprechend groß ist das touristische Angebot. Allein in der Nähe des "Cristal Ballena" können etwa Reit-, Trekking- oder Kajaktouren, Bootsfahrten zu Walen und Delfinen, Schnorcheln oder Ausflüge zu Wasserfällen und in Nationalparke unternommen werden. Fußläufig problemlos erreichbar ist der Ozean, der an dieser Stelle mitsamt den Stränden und vorgelagerten Inseln als "Ballena National Maritime Park" geschützt ist.
Gute Chancen also für einen frischgebackenen Hotelier in Costa Rica? "Grundsätzlich ja", meint Waldemar Steiner, aber er bleibt auch vorsichtig: "Kämpfen muss man trotzdem. Es ist immer noch ein Abenteuer."
Ein Ziel ist inzwischen sowieso noch offen geblieben. "Einstweilen ist es ein schönes Hotel. Der Seminarbetrieb muss sich erst entwickeln, als Ort für Menschen die Suchen, Lernen und in Bewegung bleiben wollen."


Heinrich Breidenbach


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