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Salzburger Fenster, Nr.: 18-2006


Eine Aufwärmrunde für Glocknerkönige

Autofreie Glocknerstraße am ersten Sonntag im Juni


Am ersten Sonntag im Juni ist die Großglockner-Hochalpenstrasse am Vormittag traditionell autofrei und gehört den Radfahrern. Eine prächtige Aufwärmrunde zu diesem Event führt von Kufstein über den Gerlospass in den Oberpinzgau.


Ein langes buntes quiecklebendiges Band zieht sich jeden ersten Sonntag im Juni über die lang gezogenen Kehren der Großglockner Hochalpenstraße. Tausende Radfahrer nutzen alljährlich diese lieb gewordene Tradition. Bis 10.30 Uhr wird die berühmte Ausflugsstrasse autofrei gehalten. Das bietet die einmalige Gelegenheit, eine unserer schönsten Bergradstecken ungestört zu befahren.
Die Pedalritter gehen es unterschiedlich an, sportlich mit einem Radrennen oder gemütlich auf eigene Faust. Für die Anstrengung entschädigen ein überwältigendes Panorama und ein Anstieg durch alle Vegetationsstufen der Alpen. Die maximal zwölf Prozent Steigung sind für halbwegs trainierte Radfahrer gut zu schaffen. Der Tag entlässt jeden als Sieger und glücklichen Glocknerkönig.
Warum nicht einen frühsommerlichen viertägigen Kurzurlaub mit einer prächtigen Aufwärmrunde daraus machen? Wir hätten dafür einen Vorschlag.


Unterinntal und Zillertal
Am Donnerstag geht es zuerst mit dem Zug nach Kufstein. Im Tiroler Unterinntal bieten sich dem Tourenradler zwei Varianten an. Entweder der langweilige Inntalradweg, der über weite Strecken ereignislos der Autobahn entlang führt, oder verkehrsarme Landstraßen durch freundliche Dörfer, blühende Wiesen und entlang idyllischer kleiner Badeseen. Wir wählen und empfehlen letztere Variante. Die Route führt von Kufstein über Langkampfen, vorbei an der Wallfahrtskirche Mariastein nach Breitenbach und weiter über den Reinthalersee und den Krummsee nach Kramsach. In Kramsach empfiehlt sich ein Wechsel über den Inn auf den vorher so verschmähten Inntalradweg. Aber dieser kurze Abschnitt bis zur Abzweigung ins Zillertal ist reizvoll und tauscht Autobahn gegen Schlösser, Ruinen und großzügige Parks.
In Strass zweigt ein Radweg ins Zillertal ab. Flach und beschwingt geht es durch den breiten Talboden und frühsommerliche Wiesen. In der Gegend von Zell am Ziller wird es nach rund 60 wenig anstrengenden Kilometern langsam Zeit für die Quartiersuche. Pensionen, Gasthäuser und Privatzimmervermieter gibt es im Zillertal genug. Um diese Jahreszeit ist die Auswahl noch groß.

 

 

 


Training bis zum Krimmler Tauernhaus
Der zweite Tag dient mit zwei ordentlichen Bergwertungen dem Training. Gut tausend Höhenmeter und dreißig Kilometer zieht sich die Straße von Zell am Ziller bis hinauf zur Gerlosplatte. Bergblumenwiesen, Gletscherblicke, alte Bauernhöfe und Gasthäuser, riesige Stauseen und zuletzt ein wunderschönes Hochmoor säumen den Weg. Von der Gerlosplatte (1.600 Meter) geht es dann flott die Gerlos-Alpenstrasse hinunter in Richtung Krimml. Kurz nachdem sich bei einer Aussichtsterrasse ein prächtiger Blick auf die Krimmler Wasserfälle aufgetan hat, heißt es aufpassen und rechts auf den schmalen Fahrweg Richtung Krimmler Achental abzweigen. Jetzt beginnt, als Abstecher in den Nationalpark Hohe Tauern, die zweite Bergwertung des Tages mit rund 400 Höhenmetern. Es wird noch einmal schweißtreibend. Die Belohnung ist ein bezauberndes Hochtal, dessen besonderer Charme in der glasklaren Krimmler Ache liegt, die sich langsam und sanft durch die Almwiesen schlängelt.
Am Ziel, dem traditionsreichen Krimmler Tauernhaus (1.622 Meter) darf man müde, hungrig und durstig sein. Dafür ist dort bestens vorgesorgt.


Kräfte sammeln
Ein wunderbares Erlebnis ist es, am nächsten Morgen die Räder durch das taufrische Tal hinauslaufen zu lassen. Unten in Krimml beginnt der Tauern-Radweg. Auf ihm geht es kurzweilig und wenig anstrengend rund 70 Kilometer durch den Oberpinzgau. Das ist gerade richtig zum Kräftesammeln für den Glocknersturm am nächsten Tag. Ziel sind die Gemeinden Bruck oder Fusch an der Glocknerstraße. Ein vorbestelltes Zimmer schadet nicht. Es sind nämlich schon viele Radler in der Gegend. Also jetzt ausrasten, ordentlich Nudeln oder Kartoffeln essen, mäßig Bier trinken und früh schlafen gehen.
Am nächsten Morgen ruft der Glockner.


Heinrich Breidenbach


Karten:
Radwege Nordtirol Vorarlberg, Kompass, 1:125.000.
Tauern-Radweg, Verlag Roland Esterbauer, 1:60.000.



Glocknerkönig
Das Rennen findet immer am ersten Sonntag im Juni statt. Die Großglockner-Hochalpenstraße wird an diesem Tag bis 10.30 Uhr autofrei gehalten. Radler können in dieser Zeit an den Rennen teilnehmen oder auch individuell privat die Strecke befahren.


Zwei Rennvarianten werden angeboten.
Glocknerkönig classic: Das ist die längere Variante mit Start in Bruck um 7.00 Uhr. Streckenlänge 27 Kilometer. Höhendifferenz 1.694 Meter.
Glocknerkönig light: Das ist die verkürzte Strecke mit Start um 8.00 Uhr in der Mautstelle Ferleiten. Streckenlänge 12,5 Kilometer. Höhendifferenz 1.330 Meter.
Ziel ist bei beiden Varianten das "Fuschertörl" auf 2.445 m Seehöhe.


Information: www.glocknerkoenig.com
Kontakt: Tourismusverband Grossglockner-Zellersee
Glocknerstrasse 10
5671 Bruck & Fusch
Tel: 06545-7295 oder 0664-3933997


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