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Salzburger Nachrichten: 4. April 2009


Die Alpenrepublik als „Seemacht“


Österreich kann nicht nur auf große maritime Traditionen verweisen. Das östliche Mittelmeer ist bei den Freizeitseglern schon fast wieder in österreichischer Hand.


„Woher kommt Ihr?“, fragte der alte Mann auf der kleinen kroatischen Insel Premuda und bot freundlich frische Feigen aus seinem Garten an. „Aus Österreich.“ „Ah schön, da bin ich geboren.“. Wir tappten prompt in die Falle. „Wo denn in Österreich?“ „Na hier, auf Premuda!“ Ein langes Menschenleben liegt es also nur zurück, dass Österreich ein Staat am Meer und eine Seemacht war.
Bekannte und weniger bekannte Namen sind mit der maritimen Tradition Österreichs verbunden: Darunter Admiral Wilhelm Tegetthoff und sein Sieg über die italienische Flotte bei Lissa im Jahr 1866. Julius Payer, der 1873 im Packeis vor dem „Kaiser-Franz-Josephs-Land“ mit seinem Expeditionsschiff eingeschlossene wagemutige Polarforscher. Oder der vergessene Aussteiger und Seemann Erzherzog Ludwig Salvator, buntester Hund der Habsburger-Dynastie und präziser Chronist des gesamten Mittelmeerraums.


Balsam für alpenrepublikanische Salzbuckel
Heute hört man österreichische Idiome wieder in allen Häfen und Marinas des gesamten östlichen Mittelmeers. Der Eindruck, es sei wieder fest in österreichischer Hand, ist gar nicht so falsch. Mehrere zehntausend Österreicherinnen und Österreicher verbringen jedes Jahr ihren Urlaub auf eigenen oder gecharterten Segelyachten. Im Sommer vornehmlich in Kroatien, Griechenland und der Türkei, im Winter vor allem in der Karibik. Über zwanzig heimische Charterfirmen und Agenturen bieten dafür ihre guten Dienste an.
Die Seefahrer aus der Alpenrepublik stellen sich gar nicht so dumm an. Das österreichische Ausbildungsniveau wird allgemein geschätzt. Der Münchner Weltumsegler Bobby Schenk gilt in der Fachwelt als absolute Autorität. Sein Urteil, wonach die Österreicher „das seglerische Niveau des gesamten östlichen Mittelmeers deutlich angehoben haben“ ist Balsam auf den Seelen alpenrepublikanischer Salzbuckel.


20.500 geprüfte Meeres-Segler
Basis für den österreichischen Segelsport und für regelmäßige Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen sind die heimischen Seen. 48 Segelschulen bieten hier laut „Vereinigung Österreichischer Yachtsport und Windsurfschulen“ (VÖYWS) gediegene Ausbildungen an.
Der „Österreichische Segelverband“ (ÖSV), der die einschlägigen Prüfungen abnimmt, nennt die Zahl von 88.000 A-Schein Besitzern für das Segeln auf den heimischen Seen. Den begehrten B-Schein für das selbständige Führen von Segelyachten auf dem Meer nennen stolze 20.500 Österreicherinnen und Österreicher ihr Eigen. Dazu kommen noch mehrere Tausend, die das einfachere kroatische Küstenpatent erworben haben.
17.296 Seglerinnen und Segler sind in insgesamt 91 Vereinen organisiert. Achtzig davon widmen sich dem Segelsport auf den Seen. Elf Hochseeclubs zählen insgesamt 2.951 eingeschriebene Mitglieder.


„Yacht of the Year 2008“
Überraschend mag auch anmuten, dass ausgerechnet eine Werft im Salzburger Alpenvorland Segelyachten mit einem exzellenten Ruf baut. Die Sunbeam-Yachten aus dem Hause Schöchl sind auf allen Weltmeeren geschätzt. Erst im Jänner dieses Jahres heimsten die Salzburger Bootsbauer mit der Wahl ihrer „Sunbeam 34“ zu „Europas Yacht des Jahres 2008“ eine weitere internationale Auszeichnung ein.


Heinrich Breidenbach


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