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Salzburger Fenster, Nr. 39-2008


Hilfe für die Dörfer Siebenbürgens



Tatkräftig gegen Verfall und Armut


Eine Österreicherin will zeigen, dass der Verfall der ehemals deutschsprachigen Dörfer im rumänischen Siebenbürgen gestoppt werden kann. Mit Erfolg.

 


Es ist schön hier. Den spielenden Kindern gehört das ganze Dorf, sie sind noch ungestört vom Verkehr. Enten, Gänse, Kühe und Pferdegespanne bevölkern die Straßen. Ein kleiner Bach mit grünen Ufern schlängelt sich durch den Ort. Die Felder sind gut bestellt. Eine mächtige alte Kirchenburg bewacht die bunten Häuser. Die kleine Gemeinde Probstdorf/Stejarisu im rumänischen Siebenbürgen sieht viel weniger trostlos aus, als die meisten anderen ehemaligen "deutschen" Dörfer.
Diese rund dreihundert Dörfer teilen ähnliche Probleme. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die meisten Bewohner hier deutschsprachige Bauern und Handwerker, die so genannten "Siebenbürger-Sachsen", die das Land seit dem 12. Jahrhundert in mehreren Wellen besiedelt und blühende Siedlungen errichtet hatten. Rumänen, Ungarn, Deutsche, Juden und Roma lebten in Siebenbürgen über Jahrhunderte, wenn schon nicht immer gut zusammen, so doch wenigstens friedlich nebeneinander. Aber, so wie auch die Bewohner anderer deutscher Siedlungsgebiete in Ost- und Südosteuropa, erlagen auch die Siebenbürger Sachsen mehrheitlich den Lockrufen des Nationalsozialismus und wurden, wie sie heute selbst sagen, "deutscher als die Deutschen". Die Männer strömten massenhaft in die Waffen-SS. Das war der erste Aderlass. Nach 1945 wurden die Siebenbürger Sachsen, im Gegensatz etwa zu den Sudetendeutschen oder Schlesiern, nicht gewaltsam vertrieben. Trotzdem setzte auf Grund der schlechten Lebensumstände und der diktatorischen Verhältnisse ein ständiger Exodus nach Deutschland und Österreich ein. Nach dem Sturz des Ceausescu-Regimes im Jahr 1989 kam es noch einmal zu einer großen Auswanderungswelle. Heute leben nur noch kleine Reste der deutschsprachigen Bevölkerung in Siebenbürgern. In die verlassenen Häuser zogen vor allem rumänische Roma ein. Sie leben von bescheidener bäuerlicher Selbstversorgung und geringer staatlicher Unterstützung. Die Armut ist überall sichtbar und groß. Die Dörfer verfallen.


Hoffnung
Dass es in Probstdorf besser aussieht, verdankt das Dorf vor allem der tatkräftigen Unterstützung einer Österreicherin. Frau Barbara Schöfnagel, österreichische Sozialattaché in Rumänien, hat in diesem Dorf einen ihrer Schwerpunkte und eine Fülle von Aktivitäten gesetzt. Der Erfolg ist sichtbar, die Stimmung gut. Hier spüren Besucher spontan, dass sich etwas tut, dass es Hoffnung gibt.
Zahlreiche Häuser, die Dorfschule und das alte evangelische Pfarrhaus zeigen sich frisch renoviert und gestrichen. Der Verfall, der für die Dörfer typischen Kirchenburg ist gestoppt. Freiwillige "Senior-Experten" aus Deutschland und Österreich haben mit großem Erfolg bisher rund fünfzig Handwerkerinnen und Handwerker ausgebildet, darunter Maurer, Zimmerer, Elektriker, Installateure, Schlosser, Schneider, Schmiede und Dachdecker. Ein Landwirtschaftsverein wurde gegründet und vermarktet in den Städten Produkte. Ansätze von Tourismus werden in den Ort geholt, ein Schulgarten angelegt, usw.
"Wir können zeigen, dass diese wunderschönen Dörfer eine Zukunft haben können", sagt Frau Schöfnagel, "der Verfall muss und kann gestoppt werden." Nachdem 85 Prozent der rund 800 Bewohner von Probstdorf heute Roma sind, kommt die Hilfe vornehmlich ihnen zu Gute. Die tatkräftige Helferin aus Österreich ist überzeugt, dass "es viel besser ist, wenn die Menschen hier eine Perspektive bekommen, und ihr Heil nicht in Italien oder Spanien suchen müssen."


Heinrich Breidenbach


Spendenkonto:
Austria pro Romania, Bank Austria, BLZ 12000, Konto-Nr.: 655 235 000

 


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