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Salzburger Nachrichten: 4. April 2009


Nach Dresden mit dem Paddelboot


Ein verlängertes Sommer-Wochenende genügt. In nur drei Tagen lassen sich mit dem Paddelboot auf der Elbe das Elbsandsteingebirge und die Städte Dresden und Meißen genießen. Die Elbe bietet für Paddler beste Infrastruktur, wunderbare Flusslandschaften und viel Kultur.


Von Heinrich Breidenbach


Flusskilometer 43. Schlossanlage Pillnitz. Es regnet in Strömen. Eigentlich müssten wir mehr Interesse für die prächtigen Palais und wunderbaren Parkanlagen aufbringen. Aber die Nässe stört jede bildungsbürgerliche Pflichterfüllung. Eine schnelle Besichtigungsrunde genügt.
Nur zwei Kilometer liegen noch vor unserem Tagesziel, dem Bootshaus des Kanuvereins „Laubegast“ bei Dresden. Dort dürfen Paddler den Zeltplatz beim Bootshaus benutzen. Beim Paddeln stört die Nässe ja nicht wirklich. Aber lästig wird werden, das Zelt aufzustellen. So flott, dass dabei nicht alles klamm und feucht wird, kann man gar nicht sein.
Wir legen ein bisschen Tempo zu. Die Strömung der Elbe hilft mit, und sehr bald erreicht unsere kleine österreichische Paddelboot-Armada das Tagesziel. Dort wendet sich schnell alles zum Guten. „Wenn Sie wollen, können Sie gerne in unserem großen Saal übernachten.“ Die nächste Überraschung folgte am nächsten Morgen nach einer guten Nacht im Trockenen. „Bezahlen Sie, was Sie gerne bezahlen.“ Wo gibt es so etwas noch? An deutschen Flüssen eben. Hier finden Paddler eine solide, gastfreundliche Infrastruktur, in der Geschäftssinn noch nicht wirklich angekommen ist.


Start in Schmilka
Gestartet waren wir in Schmilka an der deutsch-tschechischen Grenze bei Flusskilometer Null. Die folgenden dreißig Kilometer gelten als einer der schönsten Abschnitte der insgesamt 1.165 Kilometer langen Elbe. Hier in der „sächsischen Schweiz“ durchschneidet der Fluss das reizvolle Elbsandsteingebirge. Es geht vorbei an hübschen Urlaubs- und Kurorten, an mächtigen Festungen wie Königstein, am 415 Meter hohen Lilienstein – vom Fluss aus gesehen ein richtiger Berg -, oder an bizarren Felsformationen wie der Bastei.
Danach verliert sich das Elbsandstein-Gebirge langsam. Die Landschaft wird flacher, kleinere Städtchen tauchen auf. Die Strömung schätzen wir auf gemütliche drei bis vier Kilometer pro Stunde. Der Wasserstand ist niedrig. Nichts, abgesehen von zahlreichen Markierungen an Gebäuden, erinnert in dieser entspannten Stimmung an das Jahrhundert-Hochwasser vom August 2002 mit seinen verheerenden Schäden.
Bei Flusskilometer 43 taucht die oben erwähnte Schlossanlage Pillnitz auf, zwei Kilometer später das freundliche Bootshaus „Laubegast“ im gleichnamigen Vorort von Dresden.


Ins Zentrum von Dresden
Am zweiten Tag stehen nur 23 Kilometer auf dem Programm. Für Dresden muss einfach Zeit sein. Schon die wenigen Kilometer von Bootshaus Laubegast bis ins Zentrum sind eine Pracht. Die alten Sachsen haben Schlösser, Villen, Landsitze, Akademien, Promenaden und Parks an den Fluss gebaut. Langsam gleiten wir daran vorbei. Ein paar korrigierende Schläge genügen, um den alten Ausflugs-Raddampfern auszuweichen. Den Rest erledigt die Strömung.
Parkplatzsorgen haben Paddler nicht. Eine Schotterbank, am besten mit angrenzendem Biergarten, genügt. Dresden bietet das, und zwar mitten im Zentrum, direkt gegenüber der weltberühmten Altstadt. Jetzt empfiehlt sich eine Stadtführung. Wir haben sie im Voraus bestellt. Mit Charme und Sachkenntnis führt uns eine nette Dame zu Zwinger, Semper-Oper, Frauenkirche, Rathaus, Hofkirche, Fürstenzug, usw. „Elbflorenz“, wie Dresden auch genannt wird, steht für Lebensfreude, barocke Prachtentfaltung, furchtbare Zerstörung und Wiederaufbau. Der Tragik dieser Stadt kann man sich bis heute nicht ganz entziehen. Aber es ist beeindruckend, wie schön dieses spätbarocke Juwel nach den zerstörerischen Bombardierungen und dem Feuersturm vom Februar 1945 wieder aufgebaut wurde.
Am späten Nachmittag geht es dann zwischen sanft ansteigenden, sonnigen Weinbergen, Villen und Schlössern weiter bis zum Bootshaus Radebeul bei Flusskilometer 68. Auch hier wieder ein netter Zeltplatz, saubere Sanitäreinrichtungen, Grillplätze und gute Stimmung.


Die Porzellan-Stadt Meißen
Schafen und Kühen gefällt es an der Elbe auch. Die kurze Etappe des dritten Tages führt durch landwirtschaftlich geprägte ruhige Flusslandschaften. Weinberge mögen hier das trockene, sonnige Klima. Verschwiegen und ruhig ist ein kleiner Elbarm, der nach einer Flussinsel bei Kilometer 74 abzweigt. Reizvoll präsentiert sich bei Kilometer 78 die Boselspitze mit einem Dorf darunter. Kurz dahinter beginnt bereits die Porzellan-Stadt Meißen und findet sich bei Kilometer 81,5 das Bootshaus Meißen. Auch hier ist wieder alles Bestens.
Meißen ist vom Porzellan geprägt. Die berühmte Porzellan-Manufaktur feiert 2010 ihr 300jähriges Bestehen und kann besichtigt werden. Die tausend Jahre alte Altstadt ist von netten Plätzen, Kneipen, Restaurants und verwinkelten Gassen geprägt. Ein Spaziergang führt hinauf zur alles beherrschenden Albrechtsburg, die auf einem Felssporn hoch über Stadt und Fluss thront.
Irgendwann muss das Auto wieder in Schmilka, dem Ausgangspunkt der Reise, abgeholt werden. Das ist kein Problem. Das Elbtal ist mit einer S-Bahn verbunden. Bei der kurzen Bahnreise gleiten die am Fluss erlebten Landschaften noch einmal vorbei.
Ein schöner Abschluss.


Präzise Beschreibung im Internet


Eine präzise Beschreibung der Elbe für Paddler mit allen Informationen über die Infrastruktur am Fluss findet sich unter www.paddelsport.de.


Ausleihmöglichkeiten für Paddel- und Schlauchboote mit Rückholservice finden sich für den beschriebenen Flussabschnitt unter www.elbe-erleben.de und unter www.kanu-aktiv-tours.de.


Stadtführungen und Stadtrundgänge für Dresden werden zahlreich im Internet angeboten. Vermittelt werden sie für Einzelpersonen und Gruppen auch von der Dresden-Werbung (www.dresden-tourist.de), Tel. 0049-(0)351-49 192 100, E-Mail: infoatdresden-tourist.de


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